06.12. - Heilige im Mittelalter

Die Menschen im Mittelalter hegten eine enge Beziehungen zu den Heiligen. Im frühen Christentum waren alle Getauften Heilige, später nur noch diejenigen, die es besondere Glaubensleistungen erworben haben und von der Kirche als solche deklariert wurden.

Man glaubte, man könne vor den Augen Gottes nicht bestehen und so dienten die Heiligen als Vermittler zwischen den Menschen und Gott. Man betete die Heiligen an, damit sie als Fürsprecher vor Gott treten sollten. Es entstanden Wallfahrten zu den Heiligenstätten und man versprach sich vom Berühren von dessen Reliquien Heilung. Die christliche Praxis der Heiligenverehrung ist untrennbar mit dem Totengedächtnis und der Vorstellung der Toten verbunden.

 

 

Im 3. Jahrhundert entwickelte sich die Vorstellung, dass der Mensch nach dem Tode in einer Art geminderte Körperlichkeit weiterlebte. Heiligen wohnte eine Doppelexistenz inne, sie befanden sich im Grab auf der Erde und die Seele war im Himmel. Im 12. Jahrhundert dann entwickelte sich die Vorstellung vom Fegefeuer, in dem die Menschen vor dem Endgericht ausharren mussten. Nicht nur die Seele, auch der Leib besäße noch ein Restleben. Daher denkt die Figur Enderlin in meinem Roman über den kürzlich verstorbenen Bruder „Wie fühlt es sich an, Bruder, wenn die Flammen deine Glieder zerfressen.“

 

Heilige wurden damals als geschäftsfähig angesehen. Sie konnten Eigentum haben, Adressaten von Schenkungen sein und waren auch deliktfähig. Falls die Gläubige nicht mit ihnen zufrieden waren und ihre Gebete nicht erhört wurden, kam es zur Demütigung und Bestrafung der Heiligen. Eine Vorstellung, die uns heute sehr fremd erscheint. Und doch wirkt noch einiges bis in unsere heutige Zeit, wie z.B. das Fest des heiligen Nikolaus, das wir an seinem Todestag den 06.12. feiern. Er soll ein gutherziger Mensch gewesen sein und viele Kinder glauben heute, dass die Süßigkeiten in ihren Stiefeln des Nachts der Nikolaus gebracht hat.

 

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