07.12. - Notdurft und Goldgräber im Mittelalter

Die Hygiene im Mittelalter war von unserem heutigen Standard sehr weit entfernt. Die Aborte – die mittelalterliche Toilette - sahen auf Burgen, auf dem Land oder den Städten jeweils anders aus.

 

In Köln gab es sogenannte „Goldgräber“, die die Abortgruben ausschöpften und reinigten. Im Rheinland nannte man sie auch „Schyssefeger“. Die Goldgräber bekamen vom Henker die Arbeit zugeteilt, der auch an den Einnahmen beteiligt wurde. Weil sie ihre Arbeit nur bei Nacht verrichteten, nannte man den Henker auch den „Meister der Nachtkarre“. Auf Karren brachten die Goldgräber das „braune Gold“ zum Rhein oder an bestimmte Plätze außerhalb der Stadt, wo es verrottete.

 

 

Die Latrinen auszuheben war eine der niederen Aufgaben und die Goldgräber gehörten zu den ehrlosen Leuten. Die standen auf einer Ebene mit den Abdeckern, Schindern und dem Henker. Zwischen ihnen und den ehrbaren Menschen standen noch die Geisteskranken, Gaukler, Hexen und Wahrsagerinnen. Bettler, die heute manchmal auf der sozialen Skala ganz unten angesehen werden, hatten im Mittelalter eine bevorzugte Stellung. Sie gaben den angesehenen Menschen die Möglichkeit, ihre christliche Nächstenliebe zu zeigen.

 

In meinem Roman „Die Reformatorin von Köln“ wird nur einmal berichtet, wie Jonata sich hinter einem Busch erleichtert, da es für die Geschichte eine entscheidende Handlung ist. Normalerweise wird in Romanen jedoch nicht beschrieben, dass Figuren ihre Notdurft verrichten. Oder können Sie sich daran erinnern, dass die Figur aus dem letzten Roman, den Sie gelesen haben, die Toilette benutzt hat?

 

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