Luthers Septembertestament

 

Das Jahr 2017 steht ganz im Zeichen des Jubiläums von Luthers 95. Thesen. Doch seine eigentliche Leistung war die Bibelübersetzung.
Luthers neues Testament erschien im September 1522 und wird deswegen auch das „Septembertestament“ genannt. Doch Luther war nicht der erste, der die Heilige Schrift in die Volkssprache übertrug. Es gab vor ihm bereits 72 deutsche Bibelübersetzungen.

Was war also so besonders an seiner Übersetzung? Dafür gibt es drei Gründe:

1. Er nahm (nicht wie es seit 1000 Jahren üblich war) die lateinische Vulgata als Grundlage sondern den griechischen Originaltext.

2. Luther versah den Text mit hilfreichen Kommentaren.

3. Er hat den Menschen „aufs Maul geschaut“ und nicht Wort für Wort übersetzt wie es bei so manch anderer Bibel in deutscher Sprache gemacht wurde. Nicht der Wortlaut war ihm wichtig, sondern der biblische Geist. Es war für ihn kein übersetzen, sondern dolmetschen (ein mehrfaches Hin und Her, das erst vollendet ist, wenn das Verstehen des Urtextes möglich geworden ist). Und so kam es, dass er mit der Bibelübersetzung dem deutschen Volk eine einheitliche Sprache schenkte. Auch in unserem heutigen Sprachgebrauch gibt es immer noch viele Redewendungen aus Luthers Bibelübersetzung wie z. B. "im Schweiße unseres Angesichts" oder "jemanden auf Händen tragen".

 

Wie kam es zu dieser Übersetzung? Nach dem Reichstag zu Worms im April 1521 wurde ein Edikt gegen Luther erlassen, dass jeder ihn an die kaiserliche Majestät ausliefern müsse. Doch der Kurfürst Friedrich der Weise versteckte ihn auf der Wartburg. Luther lebte dort unerkannt als Junker Jörg. Auf der Burg vertiefte er sich ins Bibelstudium und begann mit der Übersetzung. Für das neue Testament brauchte er gerade mal elf Wochen - eine Meisterleitung! Als er Anfang März 1522 von der Wartburg nach Wittenberg zurückkehrte, half ihm sein Freund und Griechischkenner Melchanton bei der Überarbeitung. 

Der Verkaufspreis des Septembertestament belief sich auf einen halben Gulden, was einem durchschnittlichen Wochenlohn eines Handwerkers entsprach. Trotzdem war die Auflage von 3000 Exemplaren binnen weniger Tage vergriffen und musste nachgedruckt werden. Im Dezember kam bereits eine revidierte Fassung auf den Markt.

1534 erschien bei Hans Lufft in Wittenberg die vollständige Lutherbibel. Die Übersetzung des alten Testaments dauerte Jahre und wurde von einer Kommission unter Luthers Leitung fertiggestellt.

Quelle: Die Bibel Martin Luthers. Ein Buch und seine Geschichte. Hg. v. Margot Käßmann und Martin Rösel. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft 2016.

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