Die Entstehung des Romans „Die Erinnerung riecht nach gelben Kamelien"

 

Mein neuster Roman ist ein ganz persönlicher Roman geworden. Warum? Das erzähle ich euch hier.

 

Nachdem ich den zweiten Band meiner Reformatorin fertig hatte, habe ich mich mit meiner damaligen Agentur über mögliche neue Buchprojekte unterhalten. Fazit: Das Interesse der Verlage Leser*innen habe sich von Mittelalterromanen auf Geschichten verlagert, die im 19. oder 20. Jahrhundert spielen. „Fällt dir dazu etwas ein?"

Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Ich war doch so tief im Mittelalter drin, ich dachte an meine aufwendigen Recherchen … Doch ich bin kein Mensch, der den Kopf in den Sand steckt, also habe ich intensiv überlegt. Industrialisierung, Familiensaga, Zweiter Weltkrieg …

Als meine Mutter sagte, dass eine Freundin von ihr eine Zeitzeugin des Zweiten Weltkrieges ist und sie etwas Beeindruckendes erlebt hat, war meine Autorenneugierde geweckt.

Ich stürzte mich voller Elan in die Recherche und habe mich mit der über neunzigjährigen Zeitzeugin unterhalten (vor Corona😉). Ein entscheidendes Element war gefunden: Der Untergang des Schiffes Wilhelm Gustloff". Hand aufs Herz: Kennt ihr dieses Schiff? Nein? Ich vorher auch nicht. Ihr Untergang ist eines der größten Schiffskatastrophen in der Geschichte.

Die Zeitzeugin hat damals im Memelland gelebt und ist mit ihrer Familie 1944/1945 vor der Roten Armee aus Ostpreußen geflohen. Die Familie wollte auf das Schiff Wilhelm Gustloff", doch sie ist zum Glück an dem ehemaligen Kreuzfahrtschiff vorbeigelaufen. Denn das Schiff wurde kurz nach dem Auslaufen von den Russen torpediert und ist untergegangen. Von rund 10.000 Menschen (so genau weiß man das nicht) haben 1200 überlebt.

Ich verfasste ein Exposé und schickte es an die Agentur. Die war Feuer und Flamme und nahm es direkt mit auf die Buchmesse. Die Idee zu „Die Erinnerung riecht nach gelben Kamelien" war geboren. Also begann ich zu schreiben …

 

Die Story: Frida lebt in Berlin, ihr Verlobter Erwin ist an der Ostfront. Sie treffen sich nach seiner Verwundung in ihrer alten Heimat Ostpreußen wieder, doch der Krieg kommt ihnen dort näher, als sie gedacht haben - und sie müssen vor der Roten Armee fliehen. Sie wollen auf die Gustloff.
 

Als der Roman fertig war, habe ich aus persönlichen Gründen die Literaturagentur gewechselt. Meine neue Agentin sagte, dass wir für den Roman in der Form keinen Verlag finden werden. Der Markt sei mit Romanen aus dem Zweiten Weltkrieg bereits überschwemmt worden und die Nachfrage bei Leser*innen und Verlagen sei nicht mehr da. Ich war mit dem Roman anscheinend zu spät ...
 
Was für eine Enttäuschung! Dabei hatte ich bei der intensiven Auseinandersetzung mit der Epoche das Gefühl gewonnen, als Autorin in meiner Zeit angekommen zu sein ...
 
Ich habe mich lange mit meiner Agentin unterhalten und wir haben verschiedene Möglichkeiten durchgesprochen: Roman liegen lassen und auf den neuen Trend warten, als Selfpublisher versuchen, den Roman so anbieten und hoffen, dass wir einen kleinen Verlag finden oder den Roman umschreiben. Ihr Vorschlag: Einen aktuelleren Bezug einbauen, eine Außengeschichte schreiben – so etwas wie „die Enkelin entdeckt die Geschichte der Großmutter.“
 
Die Geschichte war mir so ans Herz gewachsen, dass ich sie nicht aufgeben wollte. Also habe ich mich fürs Umschreiben entschieden. Ich habe eine neue Figur entwickelt mit eigenen Zielen und Sehnsüchten. Carolin war geboren, der von ihrem Vater die Familiengeschichte vorenthalten wurde. Als sie ihre Großmutter kennenlernt, beginnt für sie eine Reise in die Vergangenheit.
 
Alle Szenen aus der Perspektive von Erwin musste ich streichen. Neue Szenen aus Sicht von Frida kamen hinzu, um die beiden Handlungsstränge zu verknüpfen. Das Umschreiben hat sich gelohnt, der Roman hat dazu gewonnen, eine weitere Dimension erhalten und ist nun bei Piper digital erschienen.Darüber freue ich mich sehr.

Ich habe die Geschichte von Carolin in meiner Heimatstadt Haan beginnen lassen. Wenn Frida von ihrer Vergangenheit erzählt, wechselt der Schauplatz nach Berlin und schließlich nach Ostpreußen.

 

Und so liest sich nun der Klappentext: Carolin lebt allein mit ihrem Vater. Ihr sehnlichster Wunsch ist es, ihre Familie kennenzulernen, aber der Vater schweigt. Als er stirbt, scheint ihr Traum verloren. Doch als auf der Beerdigung ihre Großmutter auftaucht, beginnt eine Reise in die Vergangenheit: Frida erzählt von ihrer Liebe zu Erwin, ihrer Trennung durch Hitlers Krieg und ihrem Wiedersehen in Ostpreußen nach seiner Verwundung. Aber bei der Flucht vor der Roten Armee gelangt Erwin an Bord der Gustloff, während Frida das unheilvolle Schiff verpasst. Alles, was ihr bleibt, ist die Erinnerung an gelbe Kamelien.

 

Für das Buch habe ich die unterschiedlichsten Themen recherchiert und mich noch mit zwei weiteren Zeitzeuginnen unterhalten. Geschichte wurde für mich lebendig. Außerdem bin ich meinen Wurzeln nachgegangen und habe erfahren, dass mein Großvater in Stalingrad gewesen war und in russische Gefangenschaft kam. Dieses Wissen, die Gespräche mit den Zeitzeuginnen und die Recherche zu diesen schrecklichen Themen haben diesen Roman zu einem ganz persönlichen Werk gemacht.

 

Falls ich euch nun neugierig aufs Buch gemacht habe, wünsche ich euch viel Freude beim Lesen!

 

 

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